Text zur Ausstellung "unsichtbar - widerständiges im Salzkammergut" Strobl:

„Wer bist du wirklich?“ - Eine Art Brigitte-Testauswertung

Im Alltag machen wir uns relativ schnell ein Bild von unserem Gegenüber, wobei dieses nur teilweise das Ergebnis sorgfältiger Beobachtung und objektiver Auswertung dessen ist, was wir in Erfahrung bringen können. Vielmehr schaffen wir uns auf Grund von Erfahrungen spontan ganz bestimmte Eindrücke die zu einem Urteil führen. Wir verallgemeinern was wir beobachten, ordnen das Wahrgenommene in Raster und Schubladen ein und ergänzen es durch Annahmen und Denkgewohnheiten.

Jeder Mensch hat ein gedankenmässiges Modell von sich selbst und von seiner Beziehung zur Umwelt nachdem er handelt und erlebt.
Wenn wir uns mit anderen verständigen, dann stellen wir deren Modelle bewusst oder unbewusst in Rechnung. Wir rekonstruieren ihre Wahrnehmung, machen Annahmen über ihr Wissen, ihre Überzeugungen, etc.
Unser Gegenüber kann uns seine Modelle, Gedanken, Gefühle nur über sein mehr oder weniger sozial normiertes Verhalten mitteilen. Und wir können nur aus diesem Verhalten auf die Gedanken und Intentionen unseres Gegenübers schließen.

Jochen Höller kommuniziert in seiner Arbeit eine bruchstückartige Momentaufnahme eines – seines – gedankenmäßigen Modells, davon ausgehend, dass dieses sich ständig ändern und neue Beziehungen knüpfen kann.
Eine Beziehung zur Umwelt, die durch soziale Kontakte, äußere Eindrücke, angeeignetes Wissen und Fremdwahrnehmung konstruiert ist.

Das Werk hat keinen Anspruch auf Ganzheitlichkeit oder gewissenhaften Portraitierens der Person Jochen Höller, sondern eröffnet vielmehr kleine Fenster und Spalten, durch die hindurch Wahrnehmungswelten zu erahnen sind. Eine Art von ausgestelltem Brigitte-Test von ihm und auf ihn selbst angewandt.

Text: Jessika Wyschka