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Text zur Ausstellung "unsichtbar - widerständiges im Salzkammergut" Strobl: Die wissenschaftliche Beschäftigung mit historischen Stoffen bringt eines mit sich: Der Blick auf alle anderen Dinge des Lebens wird zu einem geschichtswissenschaftlichen. So geht es mir mit Jochen Höllers Arbeit. Die Auseinandersetzung mit der Entstehung und den Ausprägungen des kollektiven Gedächtnisses ruft eine zentrale Assoziation hervor: Jochens Werk scheint wie die plastische Umsetzung der Entstehung des kollektiven Bewusstseins. Es zeigt für mich auf faszinierend einfache Art und Weise, wie das gemeinsam geteilte Bewusstsein in einen Menschen „hineinwächst“: vor allem die Visualisierung der sozialen Kontakte und die detailliert niedergeschriebene Leseliste. Es ist Zeit, auszuholen: Gesellschaftliche Gruppen bilden ihre Identität über ähnliche historische Erfahrungen, gemeinsam gehörte Musik oder gern gelesene Bücher und populäre Filme. Die Interaktion zwischen Gesellschaft und Individuum bewirkt, dass Menschen über ein Bewusstsein, über ein Gedächtnis verfügen, das sie mit anderen Personen teilen. Das führt logischer- und doch paradoxerweise dazu, dass sie über Erfahrungen verfügen, die sie nie machen mussten. Jochen Höller lässt für mich genau jenen Prozess gerinnen, der zur Entstehung des kollektiven Gedächtnisses führt. Kollektive Vorstellungen werden vor allem durch Bilder (die auch in Texten enthalten sind) und soziale Interaktionen geprägt. Spannend erscheint mir die Praxis des kollektiven Gedächtnisses vor allem dort, wo sich Soziales mit Kulturellem vermengt und überschneidet, dort wo die eigene Sphäre jene anderer Personen trifft und diese beiden Sphären sich zu überschneiden beginnen. |
Jochen Höllers Arbeit trägt wissenschaftliche Züge. Ich stelle mir vor, dass er für die Gestaltung dieser Arbeit durchaus ein der Wissenschaft ähnliches Instrumentarium entwickelt hat: ein Erkenntnisinteresse aufgegriffen, eine Arbeitshypothese formuliert, Umsetzungsideen festgemacht und vor allem systematische Recherche betrieben. Er hat einen Punkt getroffen, den ich als spannend und nachvollziehbar erlebe. Klaus Kienesberger, 29, Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft sowie Politikwissenschaften mit historischem Schwerpunkt. Arbeitet im PR-Bereich und leitet ein Geschichtsvermittlungsprojekt. |