Text zur Ausstellung "unsichtbar - widerständiges im Salzkammergut" Strobl, 2007:
Versuch zu diesem Kunstwerk
Vielleicht hängt auch alles damit zusammen, dass ein farbiges Foto eines befreundeten Künstlers (und diesen jemand kenne ich zufällig auch gut) mich ein wenig an Sport denken lässt. Dazu aber später.
Das besondere an diesem Text ist, dass er sich sogleich in einen größeren Text einbindet und gleichzeitig Teil eines Kunstwerks wird. Das ist insofern von Interesse, da diese Arbeit gleichzeitig wieder Einfluss auf ein Gesamtes nimmt. Denn in dem Moment wo Sie diesen Text lesen, stehen Sie schon vor dem Kunstwerk und daher ist es auch nicht so genau nötig, Ihnen die Beschaffenheit dieser Arbeit genauestens zu erläutern. Allerdings enthält er einige Bemerkungen, die, von meiner Warte aus gesehen, vielleicht helfen können, Strukturen zu schaffen.
Deshalb zurück zum Sport und einem unheiligen Vergleich. Taktikauswertung und die dazugehörige Netzwerkanalyse sind im modernen Fußball eine Selbstverständlichkeit. Durch eine bestimmte Codierung der aufgenommenen Information ist es möglich, ein sehr genaues Bild von Beziehungsgeflechten und Laufwegen während eines Spiels zu ermitteln und in weiterer Folge grafisch darzustellen. Somit erkennbare Stärken und Schwächen helfen die Leistung zu verbessern und für die Zukunft zu lernen.
Eine gewisse Analogie dazu ist auch in Jochen Höllers Kunst zu orten. Das komplexe Arrangement birgt aber auch Fallen und Tücken. In der Mitte zu finden ist der Künstler selbst, als Inschrift, genauso wie geschätzte 424 andere Menschen, angeordnet in konzentrischen Kreisen von der Hauptperson weg. Es wird klar, dass es sich um eine Beziehungsstruktur handelt, die eigene Familie ist ebenso dabei, wie Freunde und Kollegen. Einen besonderen Spaß bereitet es bekannte Personen aufzustöbern, man verliert sich förmlich im Kreis. Doch nicht nur die Personen der Umgebung nehmen Bezug auf den Künstler, auch die umgebenden Bilder setzen sich direkt mit diesem Kreis in Verbindung; eine ausführliche Leseliste, Grafiken, Zeichnungen und das besagte Foto. Und, so meine ich:
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jede Zeichnung ist in diesem System als Platzhalter für ein Referenzsystem gedacht, die da wären: Kunst, Wissenschaft, Informationstechnologie und Medien. Wie diese nun in genauer Beziehung zum einzelnen Menschen stehen ist damit aber noch nicht klar, ebenso wie sich die Wertigkeit in der Leseliste, durch Pfeile dargestellt, zu verschieben scheint. Eine Momentaufnahme, die Probleme erahnen lässt.
Ich schlage deshalb eine Lesart eines Rhizoms, einer verwurzelten Struktur, vor. Im Unterbewusstsein schwirrt auch eine hermeneutische Beschreibung umher, die das Wissen des Betrachters mit einbezieht (ein Grund für die Biografie am Ende des Textes, ein Wunsch des Künstlers).
Bei Deleuze steht geschrieben: „Ein Rhizom dagegen verbindet unaufhörlich semiotische Kettenglieder, Machtorganisationen, Ereignisse aus Kunst, Wissenschaften und gesellschaftlichen Kämpfen. Ein semiotisches Kettenglied gleicht einer Wurzelknolle, in der ganz unterschiedliche sprachliche, aber auch perzeptive, mimische, gestische und kognitive Akte zusammengeschlossen sind.“
Diese Verbindung findet auch in der Anordnung von Jochen Höller statt. Jeder Betrachter verknotet alle Einzelelemente auf seine Weise. Jeder hat seine eigene Vorstellung von den Zusammenhängen und Verweisen, jeder setzt seinen eigenen Anfangspunkt, zieht seine eigenen Kreise und Verästelungen.
Text: Mag. Manfred Wiplinger, 1979, Wien, Studium der Philosophie und Dt. Philologie. Zurzeit: Galerieassistent, Kurator, Vereinsmeier, DJ, 1/6 pipeline
Deleuze, Gilles, Guattari, Félix: Tausend Plateaus: Kapitalismus und Schizophrenie. S. 17, Merve Verlag Berlin 1992
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