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Nicht erst seit in den letzten Jahren virtuell soziale Plattformen den Begriff der Freundschaft neu verhandeln, drängt sich der Eindruck auf, dass informelle Netzwerke konventionelle Hierarchiestrukturen zunehmend aufweichen und verdrängen – für das Umfeld der Kunst- und Kulturschaffenden gilt dies vielleicht in besonderem Maße. In ihrer fehlenden Linearität sind soziale Netzwerke ebenso wie Strukturen des Informationsflusses wiederkehrender Gegenstand der Arbeiten von Jochen Höller, und auf den ersten Blick mag man in ihnen das Bedürfnis lesen, wieder neu zu ordnen, was sich chaotisch verzweigt hat. Das Beziehungsgeflecht, das ihn selbst umwuchert, entfaltet Höller in die Zweidimensionalität der Zeichnung, seine eigene Lesebiografie sammelt und sortiert er in (re)konstruierter Chronologie. Mit ihrer formalen Nähe zu wissenschaftlichen Ordnungswerkzeugen wie Listen, Clustern oder Dendrogrammen geben Höllers Papierarbeiten eine scheinbar systematische Antwort auf die Frage, wie das Sein wird, was es ist. Theoretische Bezüge bilden dabei Chaosforschung und Systemtheorie ebenso wie Martin Heideggers ‚Sein und Zeit’. |
genauerem Hinsehen auch in den vermeintlich systematisierenden Arbeiten Höllers erkennbar wird. Einzelnen Namen im Soziogramm weist er mit ihrer konkreten Position gleichzeitig auch einen metaphorischen Platz in Zentrum oder Peripherie des Personenkreises zu; und zentraler Bestandteil seiner Bücherliste ist die eigene Erinnerung, deren anzunehmende Lücken der scheinbaren Systematik eine schwere Irritation zufügen. Text: Oona Lochner |